Seien wir mal ehrlich: Früher war alles einfacher, früher war es besser. Marken und Unternehmen konnten in einer Einbahnstraße mit ihren Kunden in Kontakt treten. Kommunikation konnte unbedarft in den Tunnel geworfen werden und am Ende kam alles fein portioniert und schön garniert beim Konsumenten an. Was der damit machen konnte? Nichts. Das machte es natürlich einfach und vor allem auch bequem. Unzufriedene Konsumenten konnten sich an den Kundenservice wenden, der dann in der Regel, wenn man denn überhaupt jemanden erreichte, nichts tat. Was wiederrum irrelevant war, denn außer seinen Unmut seinen Freunden auf der Straße zu erklären und sein Konsumverhalten zu ändern, konnte der Verprellte ja nun nicht viel tun. Einer von Vielen. Zum Glück war der Markt damals noch nicht so übersättigt, die Ausweichmöglichkeiten überschaubar. Arroganz und Ignoranz hatte wenig Konsequenzen.
Doch dann kam das Internet. Mit ihm bekamen Konsumenten eine Stimme und sie bekamen vor allem eins: Macht. Aus Kunden wurden mögliche Fans, mögliche Influencer, mögliche Multiplikatoren. Sie fanden nun die Möglichkeit, die ihnen zuvor verwehrt blieb: Ihre Meinung zu streuen. Nicht nur ihre gute, sondern vor allem auch ihre schlechte. Mund zu Mund Propaganda auf einem neuen und diffuseren Level. Unkontrollierbarer, nicht mehr eindeutig nachvollziehbar, anonymer und in erster Linie rasant. Kommunikation passiert innerhalb unzähliger Kanäle, in mannigfaltig verschachtelten Tunneln und global vernetzt - schon lange nicht mehr nur in eine Richtung. Und so finden wir uns in dieser hochtechnologischen, digitalen Zeit plötzlich in einer Situation, die von so rudimentären, puren und essentiellen Bedürfnissen geprägt ist wie wohl niemals zuvor. Warum das so ist? Man möge behaupten, das Internet hat uns menschlicher gemacht – nicht unbedingt freiwillig, aber notweniger Weise. Wir wollen menschliches, wir suchen danach und orientieren uns daran. Es gibt uns Sicherheit und Stabilität.